C.M. Zorn: Die Vergebung der Sünden — Teil 3

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Was wir bis jetzt in die­sen Arti­keln erkannt haben, ist die­ses: Der Hei­li­ge Geist lehrt durch das Evan­ge­li­um jeden Chris­ten sagen: „Ich glau­be Ver­ge­bung der Sün­den.“ Jeder, der zur Chris­ten­heit gehört, soll glau­ben und des­sen ganz gewiss sein, dass Gott ihm und allen Gläu­bi­gen täg­lich alle Sün­den reich­lich ver­gibt. Durch sol­che Ver­ge­bung der Sün­den macht Gott uns arme Sün­der, die wir an Jesus Chris­tus glau­ben, vor sich gerecht und selig. Die Ursa­che aber, die Gott bewegt, die­ses zu tun, liegt in kei­nem Wege in uns und in unserm Ver­hal­ten, son­dern die Ursa­che, die Gott bewegt, uns die Sün­den zu ver­ge­ben und uns so zu recht­fer­ti­gen, ist ein­zig und allein die Gna­de Got­tes, die durch Jesus Chris­tus gewor­den ist.

Das ist es, was wir bis jetzt erkannt haben.

Heu­te fra­gen wir: Wie kom­men wir in den Besitz der Ver­ge­bung der Sün­den oder der Recht­fer­ti­gung?

Und die Ant­wort ist: Allein durch den Glau­ben.

Dies wol­len wir recht zu ver­ste­hen suchen.

Zuerst will ich dir, lie­ber Leser, an etli­chen Bei­spie­len zei­gen, dass die Hei­li­ge Schrift sagt, dass wir allein durch den Glau­ben in den Besitz der Recht­fer­ti­gung, das ist, der Ver­ge­bung der Sün­den, kom­men.

Röm 3,23–25 sagt sie so: „Es ist hier kein Unter­schied; sie sind all­zu­mal Sün­der und man­geln des Ruhms, den sie an Gott haben soll­ten, und wer­den ohne Ver­dienst gerecht aus sei­ner Gna­de, durch die Erlö­sung, so durch Chris­tus Jesus gesche­hen ist; wel­chen Gott hat vor­ge­stellt zu einem Gna­den­stuhl durch den Glau­ben in sei­nem Blut.“ — Was ist hier gesagt? Dies: Sün­der, die sich in nichts vor ande­ren aus­zeich­nen, die in kei­nem Stück ein Anse­hen, einen Ruhm vor Gott haben, emp­fan­gen die Ver­ge­bung der Sün­den oder die Recht­fer­ti­gung ohne ihr Ver­dienst, umsonst, als ein lau­te­res Geschenk, aus Got­tes Gna­de, durch die Erlö­sung und Los­kau­fung, die durch Chris­tus Jesus gesche­hen ist und die immer in Chris­tus Jesu für die Sün­der gül­tig und vor­han­den ist. So weit ken­nen wir die­sen Spruch von frü­her her. — Nun aber sagt der Spruch wei­ter, dass Gott die­sen Chris­tus Jesus vor­ge­stellt, bestimmt, gesandt und durch das Wort des Evan­ge­li­ums vor unse­re Augen gestellt hat als einen Gna­den­stuhl, das ist, als eine Süh­nung, als eine Bede­ckung, als eine Ver­ge­bung unse­rer Sün­den, denn er ist uns ja so vor­ge­stellt in sei­nem Blut, wel­ches zur Süh­nung und Ver­ge­bung unse­rer Sün­den ver­gos­sen ist. Ja, das hat Gott getan. Aber wie kom­men wir nun in den Besitz des­sen, was uns Gott so gnä­dig vor­ge­stellt hat? Durch den Glau­ben, sagt und fügt der Apos­tel ganz kurz ein. Durch den Glau­ben sol­len wir den von Gott als Gna­den­stuhl vor­ge­stell­ten und mit sei­nem Blut bespreng­ten Jesus Chris­tus ergrei­fen, dann haben wir, dann besit­zen wir ihn, der die Süh­nung, die Bede­ckung, die Ver­ge­bung unse­rer Sün­den ist — dann haben und besit­zen wir die Ver­ge­bung der Sün­den, die Recht­fer­ti­gung.

So sagt die Hei­li­ge Schrift auch Röm 3,28: „So hal­ten wir es nun, dass der Mensch gerecht wer­de ohne des Geset­zes Wer­ke, allein durch den Glau­ben.“ Also allein durch den Glau­ben kom­men wir in den Besitz der Ver­ge­bung der Sün­den, der Recht­fer­ti­gung, die in Chris­tus für uns da ist.

Und Röm 4,5 heißt es: „Dem aber, der nicht mit Wer­ken umge­het, glaubt aber an den, der die Gott­lo­sen gerecht macht, dem wird sein Glau­be gerech­net zur Gerech­tig­keit.“ Wer kommt also in den Besitz der Ver­ge­bung der Sün­den und der Recht­fer­ti­gung? Wer sie nicht mit sei­nen Wer­ken zuwe­ge­brin­gen will, son­dern wer Gott glaubt und ver­traut, Gott, der aus Gna­den um des Ver­diens­tes Chris­ti wil­len die Gott­lo­sen gerecht macht, indem er ihnen ihre Sün­den ver­gibt. Ja, einen sol­chen Glau­ben lässt Gott nicht zuschan­den wer­den. Zu einem sol­chen Men­schen spricht Gott: „Du kannst durch dei­ne Wer­ke vor mir nicht gerecht wer­den? Du glaubst und ver­traust aber mei­nem Wor­te, dass ich aus Gna­den durch Chris­tus die Gott­lo­sen gerecht mache? Wohl, ich sage mein Amen dazu. Auch du bist vor mir gerecht. Dei­nen Glau­ben, das, was du glaubst, das rech­ne ich auch dir zur Gerech­tig­keit.“ So kom­men wir allein durch den Glau­ben in den Besitz der Ver­ge­bung der Sün­den und der Recht­fer­ti­gung.

Und zwar zu dem bestän­di­gen Besitz der Ver­ge­bung unse­rer Sün­den, zu dem ste­ten und frei offe­nen Zugang zu der Gna­de Got­tes, die uns um Chris­ti wil­len recht­fer­tigt, kom­men wir allein durch den Glau­ben. Die Hei­li­ge Schrift sagt: „Nun wir denn sind gerecht wor­den durch den Glau­ben, so haben wir Frie­de mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christ; durch wel­chen wir auch einen Zugang haben im Glau­ben zu die­ser Gna­de, dar­in wir ste­hen“ (Röm 5,1f). Durch den Glau­ben und allein durch den Glau­ben haben wir die unaus­sprech­lich gro­ße Gna­de, dass uns Gott täg­lich alle Sün­den reich­lich ver­gibt — täg­lich, bis er uns in sei­nen Him­mel nimmt.

Dass wir allein durch den Glau­ben in den Besitz der Ver­ge­bung der Sün­den und der Recht­fer­ti­gung kom­men, das zeigt auch das all­be­kann­te Wort Chris­ti: „Gehet hin in alle Welt und pre­di­get das Evan­ge­li­um aller Krea­tur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig wer­den; wer aber nicht glaubt, der wird ver­dammt wer­den“ (Mk 16,15f).

Du kennst ja auch die Geschich­te von dem Gicht­brü­chi­gen und sei­nen Freun­den. Da heißt es: „Da nun Jesus ihren Glau­ben sah, sprach er zu dem Gicht­brü­chi­gen: Sei getrost, mein Sohn, dei­ne Sün­den sind dir ver­ge­ben“ (Mt 9,2). Also allein durch den Glau­ben kam der Gicht­brü­chi­ge und kom­men wir in den Besitz der Ver­ge­bung der Sün­den, der Recht­fer­ti­gung.

Und du kennst die Geschich­te von dem armen Sün­der, dem Zöll­ner. Der schlug an sei­ne Brust und sprach: „Gott, sei mir Sün­der gnä­dig!“ Das war ein Wort des Glau­bens an den, der die Gott­lo­sen gerecht macht. Und was sagt der Herr Jesus von ihm? Er sagt: „Die­ser ging hin­ab gerecht­fer­tigt in sein Haus“ (Lk 18,13f). Durch den Glau­ben und allein durch den Glau­ben hat­te der Zöll­ner und haben wir die Recht­fer­ti­gung.

Aber genug, genug!

Wir wol­len uns jetzt kurz vor Augen stel­len und zu Gemü­te füh­ren, was wir aus der Schrift erkannt haben.

Es ist die­ses: Vor Gott sind wir alle ohne Unter­schied Sün­der. Kein ein­zi­ger von uns hat in sei­nem gan­zen Wesen und Ver­hal­ten irgend­et­was, was er vor Gott als einen Ruhm oder Vor­zug auf­wei­sen kann. Wenn Gott uns nun die Sün­den ver­gibt und uns so recht­fer­tigt oder gerecht macht, so tut er das ohne unser Ver­dienst, ganz umsonst, rein geschenk­wei­se; er tut es aus Gna­den, um Chris­ti wil­len, der uns erlöst hat, erwor­ben und gewon­nen von allen Sün­den, vom Tod und von der Gewalt des Teu­fels, nicht mit Gold oder Sil­ber, son­dern mit sei­nem hei­li­gen, teu­ren Blut und mit sei­nem unschul­di­gen Lei­den und Ster­ben. Und dabei han­delt Gott so: Er stellt Chris­tus vor uns hin — durch das Evan­ge­li­um. Chris­tus ist der mit sei­nem Blu­te bespreng­te Gna­den­stuhl, das ist, die leib­haf­ti­ge Süh­nung, Bede­ckung, Ver­ge­bung unse­rer Sün­den; Chris­tus ist unse­re Gerech­tig­keit. Um nun in den Besitz die­ser unse­rer Gerech­tig­keit und Ver­ge­bung der Sün­den (die Chris­tus ist und die in Chris­tus ist) zu kom­men — was sol­len wir da tun? Ein­fach glau­ben, ein­fach anneh­men, ein­fach dem ver­trau­en, ein­fach uns dar­auf ver­las­sen. Was sol­len wir ein­fach glau­ben und anneh­men? Auf was sol­len wir ein­fach ver­trau­en und uns ver­las­sen? Dass Chris­tus unse­re Gerech­tig­keit ist; dass Chris­tus der mit sei­nem Blu­te bespreng­te Gna­den­stuhl, die leib­haf­ti­ge Süh­nung, Bede­ckung, Ver­ge­bung unse­rer Sün­den ist; dass Gott uns aus Gna­den, um Chris­ti wil­len, ohne unser Ver­dienst (der­glei­chen wir auch gar nicht haben), rein geschenk­wei­se die Sün­den ver­gibt und uns so gerecht macht, recht­fer­tigt. Das sol­len wir ein­fach glau­ben, das sol­len wir ein­fach anneh­men, dem sol­len wir ein­fach ver­trau­en, dar­auf sol­len wir uns ein­fach ver­las­sen. Dann haben wir es, dann besit­zen wir es. Was haben, was besit­zen wir dann? Die Ver­ge­bung der Sün­den, die Recht­fer­ti­gung.

So wer­den wir Sün­der vor Gott gerecht ohne irgend­ein Werk des Geset­zes, das wir tun, ohne irgend­ein gutes oder wenigs­tens im Ver­gleich mit ande­ren bes­se­res Ver­hal­ten unse­rer­seits, allein durch den Glau­ben.

Gott macht die Gott­lo­sen gerecht — das sol­len wir glau­ben; dann haben wir die Gerech­tig­keit, die­se Gerech­tig­keit, die Gott gibt: die Ver­ge­bung unse­rer Sün­den. Das, was wir glau­ben — das rech­net Gott uns Sün­dern zur Gerech­tig­keit.

Und so ist es nicht nur ein­mal, nicht nur erst­mals, son­dern so ist es immer und alle­we­ge und bestän­dig. Immer, alle­we­ge, bestän­dig, täg­lich, stünd­lich haben wir Sün­der einen Zugang, einen frei­en Zugang zu die­ser Gna­de allein durch den Glau­ben. Nie sol­len wir auf unse­re Wer­ke pochen, nie brau­chen wir uns nach einem Werk oder Ver­hal­ten, das sich bei uns gefun­den hät­te oder fän­de, umzu­se­hen: immer und alle­we­ge und bestän­dig und täg­lich und stünd­lich besit­zen und genie­ßen wir die Ver­ge­bung der Sün­den und die Recht­fer­ti­gung allein durch den Glau­ben — allein durch ein­fa­ches Anneh­men, allein durch ein­fa­ches Ver­trau­en und Ver­las­sen auf die Gna­de, die Gott in Chris­tus uns anbie­tet und schenkt, frei und umsonst schenkt.

Wie groß ist die Gna­de Got­tes!

Wie unbe­greif­lich, wie unfass­lich groß ist die Gna­de Got­tes!

Allein und immer allein durch den Glau­ben haben wir die Ver­ge­bung der Sün­den, die Recht­fer­ti­gung.

Kaum wagen wir zuzu­grei­fen.

Aber wir sol­len zugrei­fen. Der Hei­li­ge Geist, der wah­re Gott, ver­kün­digt es uns.

Wir müs­sen auch zugrei­fen, sonst gehen wir ja ver­lo­ren und wer­den ver­dammt. „Wer aber nicht glaubt, der wird ver­dammt wer­den.

Daher sagt D. Luther in sei­nem Klei­nen Kate­chis­mus: „In wel­cher Chris­ten­heit er mir und allen Gläu­bi­gen täg­lich alle Sün­den reich­lich ver­gibt.“ Die Chris­ten­heit sind die Gläu­bi­gen. Durch den Glau­ben, allein durch den Glau­ben kom­men wir in den Besitz und zum Genuss der Ver­ge­bung der Sün­den, der Recht­fer­ti­gung.

Und hier will ich noch das sagen, was du auch mer­ken sollst: Wenn jemand auch mit schwa­chem, zit­tern­dem Glau­ben zum Gna­den­stuhl tritt, so hat er doch die Ver­ge­bung der Sün­den und die Recht­fer­ti­gung. Nicht die Kraft tut’s, son­dern das Glau­ben; und ein schwa­ches Glau­ben ist auch ein Glau­ben.

Ich mei­ne schier, der Zöll­ner hat­te einen schwa­chen, zit­tern­den Glau­ben; mich will’s so bedün­ken. Aber doch sagt der Herr Jesus: „Die­ser ging hin­ab gerecht­fer­tigt in sein Haus.“ Dass die lie­ben Jün­ger in der Nacht, als der Herr Jesus ver­ra­ten ward, einen schwa­chen, einen recht schwa­chen Glau­ben hat­ten, das ist ganz gewiss. Und doch sag­te der Herr Jesus zu ihnen: „Ihr seid jetzt rein“ (Joh 15,3). Das heißt: Ihr habt Ver­ge­bung der Sün­den. Wenn wir auch, wie Mk 9,24 zu lesen ist, sagen müs­sen: „Ich glau­be, lie­ber Herr, hilf mei­nem Unglau­ben!“ so sagt er doch: „Wer zu mir kommt, den wer­de ich nicht hin­aus­sto­ßen“ (Joh 6,37). Und wir haben Ver­ge­bung der Sün­den. Von sol­chen Schwach­gläu­bi­gen sagt die Schrift: „Die Elen­den sol­len essen, dass sie satt wer­den“ (Ps 22,27), und: „Den glim­men­den Docht wird er nicht aus­lö­schen“ (Jes 42,3).

Nun? Willst du Ver­ge­bung der Sün­den? Willst du die Gerech­tig­keit, die vor Gott gilt? Willst du die ewi­ge Selig­keit?

Es ist alles da und bereit für dich durch Jesus Chris­tus und in Jesus Chris­tus; Gott schenkt dir das alles aus Gna­den.

Glau­be nur!

So hast du’s.

Aber ich bin mit die­sem Stück noch nicht ganz fer­tig. Zwar will ich dir nichts Neu­es mehr sagen. Du weißt jetzt, wie du in den Besitz der Ver­ge­bung der Sün­den kommst: allein durch den Glau­ben. Doch will ich dir noch zei­gen, wie die­se Leh­re vom Glau­ben selbst von sol­chen Pre­di­gern, die für gläu­big gel­ten, jäm­mer­lich ver­derbt wird. Und dabei will ich dir zei­gen, wie sie erhal­ten wird.

Doch das will ich in einem beson­de­ren Arti­kel tun; für heu­te wür­de es zu viel.

Chris­ti Blut und Gerech­tig­keit,
Das ist mein Schmuck und Ehren­kleid,
Damit will ich vor Gott bestehn,
Wenn ich zum Him­mel werd ein­gehn.

aus: C. M. Zorn, Die Ver­ge­bung der Sün­den, in: Der Luthe­ra­ner; 61. Jg. 28.02.1905 Nr. 5 S. 65–67

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