C.M. Zorn: Die Vergebung der Sünden – Teil 2

Posted On Kommentar hinzufügen

Wie haben in der vorigen Nummer des „Lutheraners“ gesehen, dass das gnädige Wort Gottes in der heiligen Schrift jeden Christen sagen lehrt: „Ich glaube Vergebung der Sünden.“ Item, jeder Christ soll den Finger auf Gottes Wort setzen und sagen: Ich glaube und bin gewiss, dass Gott mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt. Item, wir haben gesehen, dass Gott uns arme Sünder, die wir an Jesus Christus glauben, durch die Vergebung der Sünden rechtfertigt und selig macht.

Aber wir wollten ja dies Stück von der Vergebung der Sünden oder der Rechtfertigung noch näher bedenken, damit wir den rechten und gewissen Grund davon wissen.

Gott sagt das in seinem Worte ganz klar und genau. Und nur, wenn du das ganz klar und genau erkennst, kannst du der Vergebung deiner Sünden und deiner Rechtfertigung recht gewiss werden.

Und, lieber Leser, merke: Indem ich mich jetzt anschicke, diese Frage zu beantworten, da richte ich mich nicht nach meiner eigenen Meinung, auch nicht nach irgend einer menschlichen Meinung, sondern da richte ich mich ganz allein nach Gottes Wort. Denn was können uns menschliche Meinungen helfen? Aber Gottes Wort, das ist gewiss, darauf können wir uns verlassen, das wird Gott nie verleugnen, das gilt in Zeit und Ewigkeit.

Was ist also die Ursache, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen?

Auf diese Frage antworte ich zuerst aus Gottes Wort so: Die Ursache, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen, ist ganz und gar nicht in uns zu suchen. Kein Werk, das wir getan haben oder tun; kein Verdienst, das wir haben; keine Gerechtigkeit irgend welcher Art, die in uns sich findet; keine besondere Art oder Eigenschaft, die uns auszeichnet; mit einem Worte: nichts, durchaus nichts in uns ist die Ursache, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen.

So sage ich. Und ich weiß, dass Gott so sagt.

Und was du nun gleich sagen musst, ist dies: Wenn das wahr ist, wenn das wirklich wahr ist, dass nichts, durchaus nichts in uns die Ursache ist, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen, ja dann fällt mir eine so große Last vom Herzen; denn dann kann ja auch ich der Vergebung meiner Sünden und meiner Rechtfertigung mich trösten, ich sei gleich, wer und wie ich sei.

Ja, mein Lieber, gerade so ist es. Du kannst, du darfst, du sollst der Vergebung deiner Sünden und deiner Rechtfertigung dich trösten, du seiest gleich, wer und wie du seiest. Es ist nichts in dir, und Gott sucht und will auch gar nichts in dir, um dadurch bewegt zu werden, dir deine Sünden zu vergeben und dich zu rechtfertigen. Gott hat dafür, und zwar schon längst, eine ganz andere Ursache, die ganz außer dir liegt.

Aber jetzt will ich dir aus Gottes Wort klar zeigen, dass kein Werk, kein Verdienst, keine Gerechtigkeit, keine besondere Art oder Eigenschaft in uns die Ursache ist, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen.

O da gibt es viele solche Worte Gottes; ich kann dir hier nur etliche wenige zeigen.

Röm 3,23 heißt es: „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.“ Hier wirft Gott, dass ich so sage, alle Menschen in einen Topf und Kuchen und sagt, dass sie vor ihm doch alle ohne Unterschied Sünder sind, und dass vor ihm kein Mensch sich irgend einer besonderen Art und Eigenschaft rühmen kann, durch die er sich vor andern auszeichnete, oder durch welche Gott bewegt würde, ihm die Sünden zu vergeben, ihn zu rechtfertigen.

Und dann heißt es Vers 24 weiter: „Und werden ohne Verdienst gerecht.“ Da hast du’s! Ohne Verdienst, ohne ihr Verdienst werden Menschen vor Gott gerecht. Also menschliches Verdienst, menschliche besondere Art und Eigenschaft ist nicht die Ursache, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen.

Röm 3,28 heißt es: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke.“ Also kein werk, womit wir das Gesetz Gottes erfüllen, keine Gerechtigkeit, die aus unserer Erfüllung des Gesetzes kommt, ist oder soll sein die Ursache, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen, gerecht zu machen. Wir werden gerecht ohne des Gesetzes Werke.

Ja, Röm 4,5 heißt es geradezu, dass Gott „die Gottlosen gerecht macht“. Da sehen wir doch auf das Hellste, dass kein Werk, kein Verdienst, keine Gerechtigkeit, keine besondere Art und keine besondere Eigenschaft in uns die Ursache ist, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen, gerecht zu machen. Gott macht die Gottlosen gerecht!

Was ist denn nun die Ursache, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen?

Seine Gnade.

Gnade, Gnade, nur und allein Gnade ist es, was Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen.

Gottes Wort sagt: „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade“ (Röm 3,23f). Also Menschen, die sich in gar keiner Weise vorheilhaft von anderen Menschen unterscheiden, sondern die Sünder sind wie alle andern, die nichts an sich haben, was sie vor andern auszeichnet oder was ihnen bei Gott einen Ruhm bringt, die also gar kein Verdienst haben – die werden gerecht, gerechtfertigt ohne Verdienst, umsonst, geschenkweise, aus Gottes Gnade. Fasse das recht zu Herzen! Wenn du fragst, was die Ursache ist, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen, so musst du als göttliche Antwort diese nehmen: Es ist gar kein Verdienst, gar keine Gerechtigkeit, gar keine besondere Art und gar keine besondere Eigenschaft, item, gar nichts, was in und an uns Menschen sich findet, sondern es ist nur und allein und ausschließlich die Gnade, seine Gnade, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns zu rechtfertigen.

Mache vollen Ernst mit diesem Bescheid! Es ist nur und allein und ganz ausschließlich Gnade, Gottes Gnade, aus welcher du Vergebung der Sünden und die Rechtfertigung empfängst.

Wenn du hiermit – nämlich damit, dass es nur und allein und ganz ausschließlich Gnade ist, was Gott bewegt, dir die Sünden zu vergeben und dich zu rechtfertigen – wenn du hiermit vollen Ernst machst, dann hast du zwei große und herrliche Vorteile. Erstlich: Du kannst dann der Vergebung deiner Sünden und deiner Rechtfertigung auf das allergewisseste und allerfröhlichste dich trösten. Du kannst sagen: „Ich bin freilich ein Sünder, darauf kommt es jetzt gar nicht an. Es ist ja nichts in mir, was Gott bewegt, mir die Sünden zu vergeben und mich so zu rechtfertigen, sondern es ist nur seine Gnade. Und die, o Gott, die steht mir trefflich an und passt ganz unzweifelhaft für mich. Halleluja!“ Und zum andern bist du dann ein ganz feiner Gottes- und Schriftgelehrter, wenn du auch sonst ein einfältiger und ungelehrter Mensch bist. Die Haupt- und eigentlich Lüge nämlich, die der Satan in die Christenheit hineinschmuggelt und durch die er die Christenheit verderben will, ist die, dass es nicht allein die Gnade, sondern auch etwas in uns ist, was Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen und selig zu machen. Dadurch will uns der Satan in die aufgeblasene und geistlich trostlose Heidenreligion hineinziehen, in die Religion nämlich, dass wir durch unsere eigene Gerechtigkeit gerechtfertigt und selig werden sollen. O, und diese Lüge wird oft so sein und mit so lieblichen und täuschenden und auch gelehrten Worten von „christlichen“ Predigern vorgetragen, dass ein einfältiger Christ leicht betrogen werden, oder doch denken möchte: „Da kann ich ungelehrter Mensch nicht durchfinden, nicht urteilen.“ Wenn du aber ganz fest in Herz und Sinn tust, dass es nur Gnade und nichts in dir ist, was Gott bewegt, dich zu rechtfertigen und selig zu machen, dann – ja, dann merkst, fühlst, nimmst du wahr, wenn etwas gesagt wird, was dagegen verstößt; dann stößt dich das, dann haucht dich das kalt und fremd an, dann verletzt und beleidigt dich das in deinem heiligsten Glauben; du kannst dann auch ein Stäubchen solcher falschen Satanslehre so wenig leiden, wie du ein Stäubchen im Auge leiden kannst; dann macht dich das erregt und bewegt im Herzen und ist dir unleidlich, wie ein kleines Wassertröpflein, das in den, wie man sagt, unrechten Hals kommt, dir unleidlich ist und dich aufhusten macht. Dann kann also keine noch so feine und liebliche und täuschende und gelehrte Rede dich betrügen. Und du bist ein feiner Gottes- und Schriftgelehrter, wenn du auch sonst ein einfältiger und ungelehrter Mensch bist.

Also nur und allein Gottes Gnade ist es, was Gott bewegt, dir die Sünden zu vergeben und dich zu rechtfertigen und selig zu machen. Dabei bleibe. Des tröste dich. Und verwirf frisch und frei alle Lehre, die irgendwie anders lehrt.

Aber „die Gnade… ist durch Jesus Christus geworden“ (Joh 1,17).

Jesus Christus, der ewige Sohn des ewigen Vaters, der wahrhaftige Gott und Herr, ist aus Gnaden zu uns gekommen, ist Mensch und unser Heiland geworden. Und er hat die Sünde der ganzen Welt und auch deine Sünde auf sich genommen und für die ganze Welt und anstatt der ganzen Welt und für dich und anstatt deiner getragen. Und so hat er auch allen Zorn Gottes, alles Elend, allen Tod, alle Verdammnis – alles, was wegen der Sünde über die ganze Welt und über dich gekommen ist, auf sich genommen und anstatt der ganzen Welt und deiner getragen. Und er hat das alles für die ganze Welt und für dich abgebüßt durch sein bitteres Leiden und Sterben. Er hat durch seinen allerheiligsten Gehorsam und sein unschuldiges, bitteres Leiden und Sterben für die ganze Welt und für dich ein ewig geltendes Verdienst und eine vollkommene Gerechtigkeit erworben. Sein Verdienst und seine Gerechtigkeit gehört der ganzen Welt und dir. So hat Jesus Christus die ganze Welt und dich erlöst von der Sünde und vom Zorn Gottes und von Elend, Tod und Verdammnis und hat für die ganze Welt und für dich Gottes Gnade erworben.

So ist die Gnade durch Jesus Christus geworden.

Und die Gnade Gottes, die durch Jesus Christus geworden ist, ist die Ursache, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen.

Man pflegt wohl zu sagen: Es gibt zwei Ursachen, die Gott bewegen, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen, nämlich die Gnade Gottes und das Verdienst Jesu Christi. Das ist recht. Aber du musst auch verstehen, dass diese zwei Dinge einheitlich und in Wahrheit ein Ding sind, nämlich die Gnade Gottes, die durch Jesus Christus geworden ist. Es gibt keine andere Gnade Gottes als die, welche durch Jesus Christus geworden ist. Und Jesus Christus ist die leibhaftige und erschienene Gnade Gottes.

Darum redet Gottes Wort so: „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist“ (Röm 3,23f).

Gott hat in Gnaden deine Sünden auf Christus gelegt und sieht sie nun auf Christus liegend und von ihm abgebüßt. Gott legt in Gnaden Christi Gerechtigkeit auf dich und sieht sie nun an dir. Und deshalb vergibt er dir deine Sünden und rechtfertigt dich so.

Eine andere Ursache, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns so zu rechtfertigen, gibt es nicht – weder im Himmel noch auf Erden, weder in der Ewigkeit noch in der Zeit, weder bei Gott noch bei uns.

So viel für heute.

Nur ein Sprüchlein und ein Liedlein möchte ich dir noch geben.

Das Sprüchlein ist dieses: „Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aus Verdienst der Werke; sonst wäre Gnade nicht Gnade“ (Röm 11,6).

Und das Liedlein ist dieses:

Aus Gnade soll ich selig werden! / Herz, glaubst du’s oder glaubst du’s nicht? / Was willst du dich so scheu gebärden? / Ists Wahrheit, was die Schrift verspricht, / so muss auch dieses Wahrheit sein: / Aus Gnade ist der Himmel dein.

Aus Gnade! Hier gilt kein Verdienen, / die eignen Werke fallen hin. / Gott, der aus Lieb im Fleisch erschienen, / bringt uns den seligen Gewinn, / dass uns sein Tod das Heil gebracht / und uns aus Gnade selig macht.

Aus Gnade! Merk dies Wort: Aus Gnade, / so oft dich deine Sünde plagt, / so oft dir will der Satan schaden, / so oft dich dein Gewissen nagt. / Was die Vernunft nicht fassen kann, / das bietet Gott aus Gnade an.

Aus Gnade! Dieser Grund wird bleiben, / weil unser Gott wahrhaftig ist. / Was alle Knechte Jesu schreiben, / was Gott in seinem Wort verspricht, / worauf all unser Glaube ruht, / ist: Gnade durch des Lammes Blut.

Aus Gnade! Hierauf will ich sterben; / ich fühle nichts, doch mir ist wohl. / Ich kenn mein sündliches Verderben, / doch auch den, der mich heilen soll. / Mein Geist ist froh, die Seele lacht, / weil mich die Gnade selig macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.