C. M. Zorn: Die Vergebung der Sünden — Teil 1

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Im drit­ten Arti­kel des hei­li­gen christ­li­chen Glau­bens heißt es: „Ich glau­be Ver­ge­bung der Sün­den“.

D. Luther legt das so aus: „In wel­cher Chris­ten­heit er mir und allen Gläu­bi­gen täg­lich alle Sün­den reich­lich ver­gibt.“

Die wol­len wir jetzt beden­ken.

Und nun, lie­ber Leser, mach Augen und Herz auf! Denn dies Stück, das Stück von der Ver­ge­bung der Sün­den, ist das rech­te Haupt­stück der christ­li­chen Leh­re. Durch dies Stück unter­schei­det sich die christ­li­che Reli­gi­on von allen fal­schen Reli­gio­nen. Durch dies Stück wird uns armen Sün­dern rech­ter, ech­ter und bestän­di­ger Trost gewährt. Aus der Ver­ge­bung der Sün­den fließt, auf die Ver­ge­bung der Sün­den folgt die ewi­ge Selig­keit so mäch­tig, so gewiss, so unwei­ger­lich und unauf­halt­sam, so unzwei­fel­haft und unbe­dingt, dass du dich der ewi­gen Selig­keit gar nicht zu sor­gen brauchst, wenn du Ver­ge­bung der Sün­den hast. Also mach auf die Augen! Mach auf das Herz!

Ich glau­be Ver­ge­bung der Sün­den.“

So kannst du sagen. So darfst du sagen. So sollst du sagen.

Aller Zorn Got­tes, der über die gan­ze Welt und über dich gekom­men ist; alles Elend, das über die gan­ze Welt und über dich gekom­men ist; aller Tod, der über die gan­ze Welt und über dich gekom­men ist; alle Ver­damm­nis, die über die gan­ze Welt und über dich gekom­men ist – das alles ist nur um der Sün­de wil­len gekom­men.

Und nun kannst, darfst, sollst du sagen: „Ich glau­be Ver­ge­bung der Sün­den.“ Aus der hei­li­gen Schrift, aus dem eige­nen Wort Got­tes, kannst, darfst, sollst du glau­ben und ganz gewiss sein, dass Gott dir alle dei­ne Sün­den ver­gibt – ja, ver­gibt, ver­zeiht, erlässt, nicht mehr zurech­net, nicht mehr anrech­net, ihrer nicht mehr gedankt, um ihrer wil­len dir nicht mehr zürnt, dich nicht mehr straft, dich nicht mehr ver­dammt. Aus der Schrift, aus dem eige­nen Wort Got­tes, sollst du ler­nen so zu spre­chen: „Wenn du, HERR, Sün­den anrech­nen willst — Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Ver­ge­bung, dass man dich fürch­te“ (Ps 130,3f). Und: „Lobe den HERRN, mei­ne See­le, und ver­giss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle dei­ne Sün­de ver­gibt und heilet alle dei­ne Gebre­chen“ (Ps 103,2f).

D. Luther lehrt dich sagen: „In wel­cher Chris­ten­heit er mir und allen Gläu­bi­gen täg­lich alle Sün­den reich­lich ver­gibt.“

Das ist recht. Das ist es, was man in der Chris­ten­heit hat; das ist es, was alle Gläu­bi­gen, die an Jesus Chris­tus glau­ben, haben: Gott ver­gibt ihnen täg­lich alle Sün­den reich­lich.

Selig sind die Chris­ten! Selig sind die Gläu­bi­gen! Sie sind ja sün­dig, sie sind ja durch die Sün­de ver­derbt; auch sie, die Bekehr­ten, die Wie­der­ge­bo­re­nen, kön­nen kein ein­zi­ges Werk tun, das voll­kom­men gut ist, sie kön­nen kei­nen Augen­blick ohne sünd­li­che Befle­ckung sein. Aber täg­lich, immer­dar, ver­gibt Gott ihnen ihre Sün­den reich­lich; Gott lässt kei­ne Sün­de unver­ge­ben; sei­ne Ver­ge­bung ist immer reich­li­cher als die Sün­de, ihre Sün­de. Täg­lich nimmt Gott sie in sei­ne Vater­ar­me und ver­gibt ihnen alles, alles, was sie gesün­digt und gefehlt haben, und küsst sie mit dem Kuss des Frie­dens und lässt sie sei­ne lie­ben Kin­der sein. Täg­lich tut Gott sol­ches den Chris­ten, den Gläu­bi­gen, bis er sie end­lich zu sich ins ewi­ge Leben nimmt. Ja, selig ist, wer zur Chris­ten­heit gehört und an Jesus Chris­tus glaubt!

Die­se Ver­ge­bung der Sün­den nennnt man auch die Recht­fer­ti­gung.

Recht“ heißt so viel wie gerecht; „Fer­ti­gung“ heißt so viel wie Machung. Recht­fer­ti­gung heißt also Gerecht­ma­chung.

Gott recht­fer­tigt uns Sün­der, Gott macht uns Sün­der gerecht so, dass er uns die Sün­den ver­gibt.

Das ist die Wei­se, wie Gott uns Sün­der gerecht macht so, dass wir vor ihm bestehen und selig wer­den kön­nen. Ohne Zutun unse­rer Wer­ke, ja, trotz unse­rer täg­li­chen und viel­fäl­ti­gen Sün­den rech­net Gott uns eine voll­kom­me­ne Gerech­tig­keit zu, erklärt uns für gerecht, macht uns gerecht, recht­fer­tigt uns, denn er ver­gibt uns unse­re Sün­den, er rech­net uns unse­re Sün­den nicht zu. „Wie ja auch David den Men­schen selig preist, dem Gott zurech­net die Gerech­tig­keit ohne Zutun der Wer­ke: »Selig sind die, denen die Unge­rech­tig­kei­ten ver­ge­ben und denen die Sün­den bedeckt sind! Selig ist der Mann, dem der Herr die Sün­de nicht zurech­net!« (Röm 4,6–8).

Ja, das ist die Wei­se, wie Gott uns Sün­der gerecht macht, recht­fer­tigt. Und wer will uns da noch beschul­di­gen wegen unse­rer Sün­de? „Gott ist hier, der gerecht macht“ (Röm 8,33). Wer will sich da über Gott set­zen, wer will Gott drein­re­den und uns doch ver­dam­men wegen unse­rer Sün­den, die Gott uns ver­gibt?

Aber wir müs­sen dies Stück von der Ver­ge­bung der Sün­den oder Recht­fer­ti­gung noch näher beden­ken, damit wir den rech­ten und gewis­sen Grund davon wis­sen.

Für heu­te sin­gen wir mit D. Luther also:

Aus tie­fer Not schrei ich zu dir, / Herr Gott, erhör mein Rufen. / Dein gnä­dig’ Ohren kehr zu mir / und mei­ner Bitt sie öff­ne. / Denn so du willst das sehen an, / was Sünd und Unrecht ist getan, / wer kann, Herr, vor dir blei­ben?

Bei dir gilt nichts als Gnad und Gunst, / die Sün­de zu ver­ge­ben. / Es ist doch unser Tun umsonst / auch in dem bes­ten Leben. / Vor dir nie­mand sich rüh­men kann, / es muss dich fürch­ten jeder­mann, / von dei­ner Gna­de leben.

Dar­um auf Gott will hof­fen ich, / auf mein Ver­dienst nicht bau­en. / Auf ihn will ich ver­las­sen mich / und sei­ner Güte trau­en, / die mir zusagt sein wer­tes Wort; / das ist mein Trost und treu­er Hort, / dar­auf will ich behar­ren.

aus: Carl Mant­hey Zorn, Die Ver­ge­bung der Sün­den, in: Der Luthe­ra­ner, 61. Jahr­gang, 1905, Heft­num­mer 3, S. 1f

  1. Manfred Kellert sagt:

    Köst­lich für uns Chris­ten ist die­se Ver­ge­bung der Sün­den. Fra­gen wir danach, war­um gera­de uns die­se herr­li­che Bot­schaft vom Kreuz erreicht? Auch in unse­rer heu­ti­gen Umwelt und nicht anders als zu Noahs Zei­ten lachen Men­schen uns gera­de des­halb aus oder anders Gla­ü­bi­gen genügt das „Allein aus Gna­den” nicht.
    Gott sei Dank — Kei­ner schafft es den Schöp­fer der Erde und des Uni­ver­sums in eine noch so gro­ße Ver­pa­ckung ein­zu­schach­teln!
    Ich mei­ne, wer in der Bibel auf­merk­sam und regel­mä­ßig gern liest, der ver­steht die Ursa­che. Aus der Erkennt­nis wan­delt sich ein Men­schen­herz. Geben wir sol­che Freu­de wei­ter, immer dann wenn der Zeit­geist dage­gen strei­tet.

  2. Manfred Kellert sagt:

    Einen pas­sen­den Bibel­text fin­den wir bei TITUS 3, Vers 11
    „Denn es ist erschie­nen die heil­sa­me Gna­de Got­tes allen Men­schen”
    (Der Apos­tel Pau­lus schreibt die­sen Text im Brief an Titus, im glei­chen Glau­ben an unse­ren Hei­land Jesus Chris­tus)

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