Gesetzlich Wesen unter uns – J. P. Köhler

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J. P. Koehler (1859-1951) war Professor am damaligen Seminar unserer amerikanischen Schwesterkirche WELS (Wisconsin Evangelical Lutheran Synod) in Wauwatosa (1900-1929). Koehler ist neben August Pieper (1858-1946) und John Schaller (1859-1920) einer der Hauptvertreter der sogenannten Wauwatosa-Theologie.

Die Wauwatosa-Theologie wandte sich vor allem zwei Problemkreisen zu, die damals in der WELS zu beobachten waren. Zum einen empfand es in der WELS als misslich, wenn immer zuerst mit den Vätern der Kirche argumentiert wurde, statt mit der Heiligen Schrift. Sie betonten, dass eine saubere exegetische Arbeit erforderlich ist.

Ein zweites Thema der Wauwatosa-Theologie war die aufkommende Gesetzlichkeit. J. P. Koehler betonte dabei, dass in der Kirche dem Leben schaffenden Geist Gottes mehr Raum geschafft werden müsse und nicht alles durch Gesetze geregelt werden könne.

Eine Schrift, die sich vor allem mit dem zweiten Themenkreis beschäftigt, ist die ab Oktober 1914 erschienene Vortragsreihe „Gesetzlich Wesen unter uns“.

2016_gesetzlich_wesen_unter_uns

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Eine Antwort auf Gesetzlich Wesen unter uns – J. P. Köhler

  1. Es ist durchaus korrekt gewesen, wenn Köhler ein stärkeres Gewicht auf die Exegese legte, obwohl zu dem Zeitpunkt seines Aufsatzes ja auch in Missouri, nicht zuletzt durch Stöckhardt, die Exegese bereits eine ganz andere Stellung bekommen hatte. Korrekt ist auch, dass er gesetzliche Tendenzen wahrnahm, gegen die ja in Missouri auch schon P. Schwan anging, und die sich u.a. auch darin zeigten, dass Ortsgemeinde und Predigtamt geradezu als gesetzliche Einrichtungen verstanden wurden. Gefährlich, um nicht zu sagen falsch, sind aber grundlegende Tendenzen, wie sie in dem Artikel von Köhler deutlich werden, wenn er alles, was er als „intellektuell“ bezeichnet, als geistlich tot und gesetzlich abstempelt. Das ist pietistische Unart und hat schwarmgeistigen Einschlag, der sich leider auch in seiner Kirchengeschichte immer wieder zeigt.
    Falsch ist auch, wenn die richtige Aussage, dass es im NT kein Zeremonialgesetz mehr gibt, so verallgemeinert wird, dass auch „evangelische Ordnungen“ (wie z.B. Brunn Ortsgemeinde und vor allem das Predigtamt bezeichnet) deshalb ausgeschlossen werden und er so weit geht, dass der Begriff „ekkleesia“ völlig schwammig wird, jede „Gruppe von Christen“ umfassen kann, obwohl er von der Bibel her eindeutig zu definieren ist. Hierin liegen die Probleme sowohl mit der Wauwatosa-Theologie insgesamt als auch der derzeitigen Kirchen- und Amtslehre Wisconsins, die eben nicht klar und durchgängig die äußeren Versammlungen und Dienste von den Gnadenmitteln her definiert, sondern immer wieder – und das ist schwarmgeistig, Anlehnung an Höfling – mit dem (doch tatsächlich verborgenen, nicht sichtbaren) Glauben der Glieder argumentiert, und nicht mehr unterscheidet zwischen dem, wofür wir wirklich Zeugnis in der Schrift haben (Ortsgemeinde) und dem, wofür wir es nicht haben, was aber frei ist, und daher aus menschlicher Übereinkunft kommt. Diese wichtige Unterscheidung fehlt. Ich empfehle in diesem Zusammenhang den Gullixon-Brief von P. Oesch DD, bei den Essays der Wisconsin Lutheran Seminary Library abrufbar, auf meiner Internetseite auch auf Deutsch.

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