Andacht vom: 23.10.2019

Andacht hören:


Lesung: Hiob 2,11-3,26

Andachtsvers: "Warum bin ich nicht gestorben im Mutterschoß? Warum bin ich nicht umgekommen, als ich aus dem Mutterleib kam? Warum hat man mich auf den Schoß genommen? Warum bin ich an den Brüsten gesäugt?" (Hiob 3,11+12)

Wer so verzweifelt den Tag seiner Geburt verwünscht, wie Hiob das hier tut, der wird wohl nie wieder Geburtstag feiern wollen. Nach all den Hiobsbotschaften, die er zu hören bekam, können wir seine erbitterte Stimmung verstehen. Jetzt wünscht er sich dahin, wo die Toten auf die Auferstehung warten. Da herrscht wenigstens Ruhe, denkt Hiob. Und doch überrascht die verzweifelte Klage. In den ersten Kapiteln des Buches Hiob hatten wir noch von glaubensstarken Worten Hiobs gelesen: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10). Ja, das wissen wir. Unsere Tage liegen in Gottes Hand und wir wollen nicht vergessen, für die guten Tage zu danken. Die bösen Tage sollen wir ebenso annehmen. Das alles lässt sich geruhsam überlegen, solange wir eben nicht im Staub liegen und uns in Schmerzen winden. Wenn es dann jedoch so weit ist, dass der Tod geliebter Menschen, Schicksalsschläge und Krankheiten uns den Boden unter den Füßen wegziehen, dann helfen theoretische Überlegungen nicht weiter. Dann benötigen wir die Kraft, die das Wissen über Gottes Allmacht und Liebe auch in unsere Gefühle überträgt. Dann brauchen wir den Glauben, der sich an Tatsachen klammert, die fester stehen als Leid und Not. Dann brauchen wir den Blick zum Kreuz mit der Zusage, dass Gott auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat. Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken und unsere Not wenden? (Römer 8,32).

Lasst uns beten:
Herr, mach meinen Glauben an deine Liebe stark, besonders dann, wenn schwere Tage meinen Glauben trüben und die Zweifel überhandnehmen wollen. Amen.
Lied: 364
Pf. Jonas Schröter